Eine Welt ohne Wasser ist vollkommen undenkbar. Allein für den Menschen stellt es ein unersetzbares Grundbedürfnis dar, auch wenn wir des Öfteren zu anderen Getränken greifen, um zu versuchen, der empfohlenen Tagesmenge an Wasser durch chemisch gesüßte Flüssigkeiten zu entkommen. Doch schlussendlich funktioniert unser Organismus ohne Wasser nicht.

Wir Menschen bestehen zu etwa 65% aus Wasser. Bei Kindern kann diese Menge sogar auf 80% steigen. Mit zunehmendem Alter sinkt der Wassergehalt im Körper, sodass er noch knapp die Hälfte ausmacht. Trotzdem ist das eine ganz schöne Menge, die wir da mit uns herum transportieren. Etwa 45 Liter kursieren in unserem Organismus hin und her und versorgen die Zellen im Körper mit Struktur. Ohne diese lebenswichtige Flüssigkeit würden sie schrumpfen. Das bedeutet, dass bei akutem Wassermangel auch ganze Muskeln kleiner werden. Nicht einmal das Gehirn ist ohne Wasser in der Lage zu leben, denn es besteht zu 70% aus diesem. Aber Wasser hat noch weitere Aufgaben: es ist ein Transportmittel und reinigt sowie entsorgt schädliche Stoffe. Allein im Blut findet sich 80% Wasser. Außerdem ist es ein Lösungsmittel und Reaktionspartner. So können Salze zum Beispiel nur von Wasser verarbeitet, das heißt „in kleine Teilchen“ zersetzt, werden. Nicht zuletzt ist es natürlich auch ein Kühlmittel. Schwitzen ist sicher für niemanden wirklich angenehm, aber was unser Körper bei diesem Vorgang tut, um uns am Leben zu halten, ist verblüffend. Bei Hitze kommt Wasser durch die Drüsen unseres Körpers an die Oberfläche. Dort verdampft es und dieser Vorgang benötigt Energie, was uns wiederum abkühlt. So bleibt die Körpertemperatur konstant und es kommt zu keiner Überhitzung. Selbst wenn es sich also im Hochsommer anfühlt, als würden wir in Flammen stehen, tun wir das nicht wirklich. Das verdanken wir einzig und allein dem äußerst organisierten System unseres Körpers.

Allerdings ist leider auch zu viel Wasser wiederum schädlich. Selbst bei der Flüssigkeit, aus der unser Körper hauptsächlich besteht, bewahrheitet sich die Aussage: „Die Menge macht das Gift“. Und ich übertreibe mit dem Wort Gift hier keinesfalls, denn es gibt tatsächlich eine Vergiftung, welche man sich durch den zu hohen Konsum von Wasser zuziehen kann. Bei einer „Wasservergiftung“ wurde dem Körper durch die große Menge Wasser zu viel Salz entzogen. Somit sind die Natrium-Werte sehr niedrig, was zu Wahrnehmungsproblemen und im schlimmsten Fall zu Ohnmacht führen kann. So ging es auch einer Frau aus Großbritannien. Sie lief bei einem Marathon mit und trank an jeder Raststätte Wasser. Irgendwann konnte sie nicht mehr rennen und ihre Erinnerungen an das Ende des Laufes sind vollkommen ausgelöscht. Sie soll nach dem Marathon in ihrem Auto bewusstlos geworden sein und lag ein paar Tage im Koma. Aber jetzt bitte keine Panik schieben, bei solchen Fällen handelt es sich um das Trinken von sehr viel Wasser, was nicht allzu häufig geschieht. Im Gegenteil, oft trinken wir alle sogar zu wenig, nicht wahr?

Wir sehen also, Wasser ist lebensnotwendig und im Überfluss auch gleichzeitig wieder gefährlich. Ganz schön paradox: einerseits überleben wir nicht ohne, bei zu viel andererseits aber genauso wenig.

„Man kann die Erkenntnisse der Medizin auf eine knappe Formel bringen: Wasser, mäßig genossen, ist unschädlich.“ – Mark Twain

Aber nicht nur Menschen ist Wasser vonnöten. Jedes Tier braucht es, auch jene, die in Regionen leben, in denen es nicht so viel regnet. Dafür hat sich die Natur etwas Erstaunliches ausgedacht: Anpassung. Diese Tiere haben sich an ihre Umgebung angepasst und das über eine sehr lange Zeit. Sowas geschieht nicht einfach von heute auf morgen. So gibt es Tiere, die Wasser speichern können, wie zum Beispiel Kamele. Oder aber sie stellen ihr eigenes Wasser her, wie die Kängururatte. Sie bezieht etwa 90% ihres Wassers aus der Fettverbrennung und nimmt den Rest über die Nahrung auf.

Kommen wir nun also noch zu den Pflanzen. Auch sie „trinken“, nur eben etwas anders als Menschen oder Tiere. Bei ihnen nennt sich der Vorgang „Osmose“. Dabei gelangt das Wasser durch die Wurzeln in die Pflanze. Osmose bedeutet, dass sich bestimmte Teilchen von einem Ort hoher Konzentration zu einem Ort niedrigerer Konzentration bewegen. So herrscht in der Erde um die Wurzel eine höhere Wasserkonzentration, wenn es zum Beispiel geregnet hat, wodurch sich die Wassermoleküle dann in Richtung Wurzel bewegen.

Jetzt ist klar, dass Wasser für jedes Lebewesen von enormer Bedeutung ist und auch immer sein wird. Was passiert jedoch, wenn es an Wasser mangelt? Oder wenn es im Überfluss ist? Das müsste doch beides gefährlich sein, wie bereits festgestellt, oder?

Der Klimawandel

Mit dem sogenannten „Klimawandel“ wird die Veränderung des globalen Klimas beschrieben. Bitte nicht mit Wetter verwechseln! Das Wetter ist der Zustand der Atmosphäre zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort. Das Klima stellt einen viel längeren Zeitraum von mindestens 30 Jahren dar.

Es gibt zwei Arten des Klimawandels:

Der natürliche Klimawandel geschieht vorerst ohne unsere Einflussnahme. Dieser ist von den Sonnenflecken beeinflusst, die die Temperatur auf der Erde regulieren können. Auch Schwankungen in der Erdbahn und -achse können über einen langen Zeitraum das Klima beeinflussen. Den Begriff, den wir jedoch am meisten mit dem Klimawandel verbinden, sind die Treibhausgase. Sie befinden sich in der Atmosphäre und gelangen zum Beispiel durch Vulkanismus, Verdunstung oder Eisschmelze zu ihr hinauf. Dieser Wandel ist natürlich. Allein durch ihn entsteht keine extreme Verstärkung der Wetterphänomene, die wir auf der ganzen Welt beobachten können. Die Natur allein ist ausgeglichen. Dann dürften diese ganzen Tragödien auf der Welt doch alle gar nicht geschehen und die Menschen dürften sich nicht über den Klimawandel aufregen, oder? Leider doch, denn so ausgeglichen die Natur ist, wir Menschen sind es nicht.

Der menschengemachte Klimawandel ist der, um den es in den Medien immer geht. So manch einer mag behaupten, er würde nicht existieren, doch diese Menschen verschließen nur ihre Sicht vor der brutalen Realität und wollen sich die Schuld, die wir an diesem Drama tragen, nicht eingestehen. Wir haben einen sehr großen Einfluss auf die Treibhausgase und durch die Welle der Industrialisierung und des Massenkonsums gelangen diese in unfassbar großen Mengen in die Atmosphäre. Dadurch steigen die Durchschnittstemperaturen an und es wird wärmer und wärmer auf der Erde. Es ist ein Teufelskreis. Die Folgen sind verheerend: Gletscher schmelzen, der Salzgehalt in den Meeren sinkt, der Meeresspiegel steigt, Küstenländer werden überschwemmt, Wüsten dehnen sich aus. Und das ist längst nicht alles!

Nun sind wir also bei den Gefahren des Wassers. Die folgenden Katastrophen gab es auf der Welt schon immer, jedoch niemals in so einem Ausmaß, wie es in der heutigen Zeit der Fall ist.

Hochwasser

Sie richten mehr Schäden an, als es jede andere Naturgewalt vermag. In vielen Regionen der Welt treten diese schon seit Jahren vermehrt auf, doch mittlerweile bleibt auch Deutschland nicht verschont: Am 14. und 15. Juli letzten Jahres kam es im Ahrtal zu einer Flutkatastrophe. Mehr als hundert Menschen verloren ihr Leben. Sie konnten der reißenden Kraft des Wassers nicht standhalten. Ertrinken ist ein leiser Tod. Es geschieht nicht so wie in Filmen, die Personen können nicht strampeln und nach Hilfe schreien. Beim Schlucken von zu viel Wasser verhindert der sogenannte Stimmritzenkrampf, dass Wasser in die Lunge gerät. Das ist also ein Schutzmechanismus unseres Körpers. Blöd nur, dass es dadurch auch unmöglich ist, durch lautes Rufen auf sich aufmerksam zu machen. Sobald der Körper den bereits viel zu lang anhaltenden Sauerstoffmangel registriert, entspannt sich dieser wieder und das Wasser findet seinen Weg in die Lunge. Das alles passiert sehr schnell und unmerkbar. Ertrinken geschieht im Stillen. Ganz schön düster, wenn man darüber nachdenkt, wie viele Menschen schon durch Wasser verstorben sind. Es glitzert wunderschön, wenn die Sonne untergeht und es wirkt so unschuldig, wenn man an einem windstillen Tag auf das Wasser blickt. Doch es hat eine enorme Kraft. Gegen die Strömung kommen wir nicht an, sie kann uns überrumpeln und dann sind wir nicht mehr in der Lage, etwas zu tun. Nicht umsonst nerven Eltern ihre Kinder immer damit, im Meer oder See nicht zu weit hinauszuschwimmen. Kinder, aber auch Erwachsene, überschätzen oft ihre Fähigkeiten und das wird ihnen zum Verhängnis. Einmal in den Wellen gefangen, kommt man so leicht nicht mehr heraus.

Nun aber zurück zu den Hochwassern. Wie kommt es denn nur zu solchen Katastrophen? Häufige Auslöser sind Wetterphänomene wie Hurricanes, Sturmfluten oder Monsunregen. Die Atmosphäre heizt sich auf. Dadurch wird es auf der Erde wärmer. Das Wasser verdunstet schließlich durch diese Wärme und wenn sich genug Wasserdampf gesammelt hat, entstehen Wolken. Sobald diese zu schwer werden, regnet es. Durch die hohen Temperaturen enthält die Luft also mehr Feuchtigkeit und die Regenmengen nehmen zu. Das wiederum führt bei Niederschlag dazu, dass der Boden die riesigen Wassermengen nicht aufnehmen kann und daraus folgt Hochwasser. Dafür gibt es ein Beispiel von vielen, welches dieses Jahr bereits geschehen ist: Etwa ein Drittel Pakistans ist von einem verheerenden Monsunregen überkommen worden. Ganze Wohngebiete stehen unter Wasser. (Videos und nähere Informationen sind in der Quelle unten zu finden.)

Nach den ausführlichen Erläuterungen zu Hochwasser und Fluten muss nun natürlich unweigerlich der passende Gegenspieler folgen:

Dürren und Wassermangel

Durch die Rekordhitze-Temperaturen werden die Dürren immer ausgeprägter. Die Folgen dieser, aufgrund des menschengemachten Klimawandels, geschehenden Ereignisse sind äußerst problematisch: Die Hitzewelle in Südeuropa dieses Jahres bescherte uns in Spanien über 40 Grad Außentemperatur, Waldbrände in Griechenland sowie Italien, Flüsse mit erschreckend niedrigem Wasserstand ebenfalls in Italien (Po, Tiber) und viele Ernteausfälle. Um es noch detaillierter auszudrücken: Mehr als 10% der europäischen Anbaugebiete sind von Dürre betroffen und der Po ist zu 70% ausgetrocknet.

Doch das ist nicht das einzige Problem: der Wassermangel hat weitreichende Folgen für unsere Grundbedürfnisse. Dies lässt sich am Beispiel Italien sehr gut darstellen. Dadurch, dass der Wasserstand des Pos so niedrig ist, fließt das Wasser nicht von den Bergen zum Meer, sondern wird durch das Meerwasser in das Landesinnere zurückgedrängt. Dadurch steigt der Salzgehalt auf das Zehnfache und kann nicht mehr zur Bewirtschaftung der Felder verwendet werden. Daran leidet natürlich der Ertrag der Ernte. Doch eine Besserung im Spätsommer ist vermutlich auch nicht in Sicht, da es nach der enormen Hitzewelle mit großer Wahrscheinlichkeit wieder zu extremen Regenfällen kommen wird, die wiederum zu Überwässerung der Felder führen. Wir befinden uns also derzeit in einem sich abwechselnden Kreislauf aus Extremwetter-Ereignissen, der uns den Ertrag sowie die Qualität unserer Nahrung streitig macht.

Eine weitere Folge der ausbleibenden Niederschläge sind die Waldbrände, die vermehrt auf der ganzen Welt Unheil anrichten. Allein in Europa sind bereits um die 660.000 Hektar verbrannt. Waldbrände entstehen zu etwa 96% durch den Menschen. Dies muss nicht immer durch Brandstiftung geschehen. Auch ungewollt kann ein Wald Feuer fangen, wenn zum Beispiel eine noch glühende Zigarette aus dem Fenster geworfen wird. Weil es sehr heiß und trocken ist, hat die Zigarette natürlich ein leichtes Spiel und entfacht ein Feuer, welches sich rasend schnell ausbreitet. Diese leider sehr effektive Kombination aus Hitze und Trockenheit wird auch „Feuerwetter“ genannt. Durch dieses geschehen überall auf der Welt Brände, ob in Spanien oder Kalifornien.

Das hat es also mit der Relevanz des Wassers auf sich. Ist es nicht widersprüchlich, dass etwas für uns und unseren Planeten lebenswichtiges, gleichzeitig so vernichtend sein kann? Fakt ist jedenfalls, dass die Dürren durch den Klimawandel immer ausgeprägter und die Niederschläge immer umfangreicher werden. Wichtig ist also nun, dass wir uns an diesen Zustand anpassen. Wir tragen diese Schuld auf unseren Schultern, also müssen wir auch dafür geradestehen. Und da hilft es nicht, Ausreden zu suchen oder die Verantwortung von sich zu weisen. Wir Menschen sind Künstler der Anpassung! Kein Tier der Welt kann sich so schnell wie wir auf seine Umgebung abstimmen. Nutzen wir also diese Stärke und machen etwas daraus!

Sicher ist inzwischen klar geworden, in welch einem engen Verhältnis wir zu Wasser stehen und dass die Natur und alle Lebewesen dieser Erde eine Abhängigkeit von jenem an den Tag legen. Somit beende ich diesen Artikel mit einem Zitat von Thales von Milet, der diese sehr gut beschreibt:

„Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser, denn Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück.“


Quellen:




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