Die Tage werden kürzer, die dunklen Nächte immer länger. Wie jedes Jahr wird es draußen ungemütlich kalt, regnerisch und immer viel zu schnell verschwindet die Sonne hinter dem Horizont. Die Tropfen des Regens schlagen gegen mein Fenster und allmählich gibt auch meine Kerze auf – ihr Licht erlischt.

Ich vermisse den Sommer. Die Waldspaziergänge, die zauberhaften Sonnenaufgänge, wo das Gelbe sich in rosa-rote Töne wandelt, die Wolken färbt und sie durchbricht. Ich vermisse die tanzenden Schmetterlinge, die mit ihren bunten Farben im Licht schillern. Ich vermisse die warme, leichte Brise, die einen schon im Frühling umhüllt. Ich vermisse die langen Tage und kurzen Nächte.

Ich schaue aus dem Fenster. Grau trifft auf Schwarz und verdeckt die zahlreichen, glitzernden Sterne, die ich sonst sah. Selbst der volle Mond kann diese Dunkelheit nicht durchbrechen. Ich zünde die nächste Kerze an und der Raum füllt sich mit einem warmen Duft von Vanille. Ich schnappe mir ein Buch aus dem Regal und vertiefe mich in die Geschichte, schiebe die negativen Gedanken beiseite.

Der nächste Tag bricht an. Draußen ist es noch pechschwarz, aber weiter hinten lässt sich bereits die Sonne vermuten. Und statt schönem, knirschenden, weißen Schnee lag nur halb geschmolzener Matsch auf den Straßen – zerdrücktes, nasses Laub klebte auf den Wegen. Ein paar Stunden später sieht man nichts als Nebel und unendliche, graue Wolken. Ich liebe es unterwegs zu sein, draußen zu sein, etwas neues zu sehen – aber bei der Kälte und dem Regen ist es bei Weitem nicht so schön wie sonst. Den Winter einfach überspringen können, das wäre die Lösung…

Doch egal wie sehr ich mir das wünsche, die schlechten Tage gehören genauso zum Leben dazu, wie die guten. Genauso wie nach dem Regen wieder die Sonne scheint und sich im besten Fall noch ein Regenbogen an den Himmel malt. Genauso wie nach einem turbulenten Sturm eine leichte und warme Brise kommt. Und genauso kehren nach dem eisigen Winter die sonnig warmen Tage und die blühenden Blumenfelder zurück. Bald verziehen sich die dunklen Wolken, die Sterne kommen wieder zum Vorschein und die Sonne lässt den morgendlichen Frost dahinschmelzen. Der Hauch vom gesunden Optimismus lässt alles etwas leichter erscheinen, die Tage lassen sich leichter überbrücken.

Und die Gewissheit, dass bessere Tage auf mich warten, lässt mich gleich wieder aufatmen. Diese Gewissheit ist mein Licht am Ende des Tunnels.




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