Am Dienstag, den 29. September, war Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew zu Besuch in Berlin. Friedrich Merz hat ihn im Bundeskanzleramt empfangen. Bei ihrem Treffen ging es um die europäische Ölversorgung und auch um den russischen Angriffskrieg. In der anschließenden Pressekonferenz wurden Themen wie Energie, Rohstoffe und neue Handelswege angesprochen. Doch hinter den Wirtschaftsinteressen steckt eine größere Frage: Welche Rolle kann Kasachstan für Deutschland spielen? 

Öl und Rohstoffe

Kasachstan ist der größten Binnenstaat der Welt. Er grenzt an Russland, China, Kirgisistan, Usbekistan und Turkmenistan und ist Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner in Zentralasien. Das geht aus einer Pressemitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums vom Juni 2026 zur Kasachstan-Reise von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hervor.

Dazu kommen bedeutende Vorkommen an mineralischen Rohstoffen und Seltenen Erden. 21 der 34 kritischen Rohstoffe der EU kommen laut Bundeswirtschaftsministerium in Kasachstan vor. Sie stecken in Batterien, Halbleitern sowie Windrädern und werden damit für die Energiewende gebraucht. Eine engere Zusammenarbeit soll die Versorgungssicherheit in Deutschland erhöhen und durch stärkere Handelsbeziehungen das Wirtschaftswachstum in beiden Ländern fördern. Dabei geht es nicht nur um den Abbau von Rohstoffen, sondern auch um deren Verarbeitung und weitere Wertschöpfung.

„Arbeit für den Frieden“

In der Pressekonferenz dankte der Bundeskanzler Kasachstan dafür, die Umgehung von Sanktionen gegen Russland zu verhindern, und sagte: „Das ist Arbeit für den Frieden.“ Aber was genau ist damit gemeint?

Die EU hat Russland schon seit 2014 nach der Annexion der Krim mit Sanktionen belegt. Im Februar 2022 beschloss die Europäische Union weitere Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen Russland. Grund dafür war der russische Angriff auf die Ukraine. Die Sanktionen sollen Russland wirtschaftlich unter Druck setzen, den Handel einschränken und den Zugang zu Technologien erschweren. Auch Einreiseverbote für bestimmte Personen sind Teil der Sanktionen. Aber Sanktionen können von Unternehmen, Personen oder Staaten umgangen werden: Güter werden zunächst in Drittstaaten geliefert und von dort nach Russland weitergegeben. Wer gegen Sanktionsumgehungen vorgeht, trägt dazu bei, die russische Kriegswirtschaft zu schwächen.

Kasachstan betont, es habe Maßnahmen ergriffen, damit das über sein Staatsgebiet nicht passiert. Ganz gelungen ist das offenbar nicht: Im 21. Sanktionspaket der EU stehen einzelne Organisationen aus Kasachstan.

Deshalb arbeitet die EU gleichzeitig mit Kasachstan daran, solche Umgehungen weitgehend zu verhindern. Sie bietet vor Ort unter anderem Schulungen für kasachische und internationale Unternehmen an. Die Unternehmen sollen Unterstützung beim Umgang mit den Sanktionen und den daraus entstehenden Herausforderungen bekommen. Damit soll die Zusammenarbeit gegen mögliche Sanktionsumgehungen verbessert werden.

Ein Handel vorbei an Russland

Für Deutschland ist Kasachstan nicht nur im Umgang mit Russland relevant. Auch neue Handelswege zwischen Asien und Europa sind ein Thema. Der sogenannte Middle Corridor verbindet Ostasien über Kasachstan, das Kaspische Meer und den Kaukasus mit Europa. Die Route führt dabei nicht über russisches Staatsgebiet. Kasachstan ist damit ein wichtiger Teil dieser Verbindung.

Deutschland und Kasachstan als einvernehmliche Beziehung

Für Deutschland ist Kasachstan damit nicht nur wegen seines Öls und seiner Rohstoffe interessant. Auch neue Handelswege und die Zusammenarbeit beim Umgang mit Russland spielen eine Rolle. Kasachstan wiederum will die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland ausbauen und Investitionen und Technologie ins Land holen. Öl und Rohstoffe sind damit nur ein Teil der Beziehung zwischen Deutschland und Kasachstan. Hinzu kommen Sanktionen, neue Handelswege und die Suche nach engeren Wirtschaftsbeziehungen.

Ein Partner mit Schattenseiten

Politisch wird Kasachstan als autoritär eingeordnet. Freedom House, eine Organisation, die weltweit Demokratie und politische Freiheiten untersucht, stuft das Land als autoritäres Regime ein. Im Januar 2022 wurden Proteste im Land gewaltsam niedergeschlagen. Tausende Menschen wurden festgenommen, darunter auch Journalistinnen und Journalisten. In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt Kasachstan 2026 auf Platz 149 von 180. Die Partnerschaft mit Kasachstan bringt damit auch die Frage mit sich, wie wirtschaftliche Interessen und die Werte der EU miteinander vereinbar sind.


Quellen:

https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/FAQ/Sanktionen-Russland/faq-russland-sanktionen.html

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/pk-merz-tokajew-2454698

https://www.eeas.europa.eu/delegations/kazakhstan/european-union-hosting-free-one-day-seminar-almaty-1-july-2026-support-companies-operating_en

https://www.worldbank.org/en/news/press-release/2026/09/28/trans-caspian-transport-corridor-investments-spur-growth-and-create-millions-jobs

https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2026/06/20260629-bundesministerin-reist-nach-kasachstan.html

Kritische und strategische Rohstoffe werden priorisiert | Special Rohstoffsicherung | EU | Critical Raw Materials Act

https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/laender/94/kasachstan

https://freedomhouse.org/country/kazakhstan?utm_source=

https://www.pexels.com/de-de/foto/die-kasachische-flagge-weht-vor-blauem-himmel-38907170/




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