„Es war eine neue Erfahrung und eine sehr starke Umstellung, da man nun erst einmal gemerkt hat, wo überall tierische Produkte enthalten sind. Von veganen Ersatzprodukten wie bspw. Käse oder Salami halte ich nichts, da ich denke, dass das «ja nur Chemie sein kann». Aber vegane Grundprodukte, wie Linsen finde ich super.“

„Auffallend war, dass wir deutlich mehr Geld ausgegeben haben. Sonst sind wir in einem Monat mit 200€ ausgekommen und nun haben wir bereits in einer Woche 120€ bezahlen müssen. Ich würde den Preis in Kauf nehmen, aber durch die negativen Aspekte, die Jonas bereits aufgeführt hat, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich mich langfristig nicht vegan ernähren möchte.“

Das sind die Resümees meiner beiden Mitbewohner, die bei meinem Plan mich eine Woche lang vegan zu ernähren, teilhaben wollten. Sie ernähren sich in ihrem Alltag weder vegetarisch/vegan noch halten sie viel davon, wodurch es öfter mal zu Diskussionen beim Einkauf oder Kochen kommt, da meine Wenigkeit aus Überzeugung vegetarisch lebt und bereits auf Kuhmilch oder Eier in vieler Hinsicht verzichtet. Somit hatten wir zwei verschiedene Ausgangspunkte.

„Let´s go vegan, let‘s go!“

Meine vegane Woche startete am Montag Morgen, die der Jungs erst als ich abends von der Arbeit nach Hause kam. Sie fühlten sich überfordert und verunsichert mit der Entscheidung, was sie nun als Veganer essen dürfen. So gingen wir Montagabend zusammen bei Aldi und Dm einkaufen – ich kann beide Läden sehr empfehlen, da ihr Bio sowie veganes Sortiment eindeutig größer ist, als bei manch anderen Läden und ebenfalls recht billig, aber Achtung: nur persönliche Meinung. Bei meinem Einkauf war bis auf Eines alles wie gewohnt – der Käse. Ich esse Käse mein Leben lang und veganer Käse konnte diesen Hunger bis jetzt nicht stillen, auch wenn ich diesen ausprobiert habe. So musste ich dem Käse-Einkauf diesmal widerstehen, es war ungewohnt, aber auf jeden Fall machbar, da wir bereits viele Streichcremes bei Dm sowie nun auch Hummus und eine Avocado Creme bei Aldi kauften.

Meinen Mitbewohner fiel dieser Einkauf eindeutig schwieriger, da sie mich bei jeder 2. Sache fragten, ob dies denn nun auch vegan sei. Vor allem bei dem Nebenprodukt Honig in Karottensaft wurde einer meiner Mitbewohner stutzig, als ich ihm erzählte, dass dies nicht vegan sei. Er war der Meinung, dass Honig ja nicht direkt ein tierisches Produkt sei, da Bienen es aus Mineralien herstellen und nicht aus eigenen Stoffen. Dennoch kaufte er den Karottensaft schließlich nicht. Was aber in Mengen gekauft wurde, waren alternative Fleischprodukte wie „Chicken Nuggets“, Burgerpatties und „Fischstäbchen“. Da fiel den Jungs die Umstellung leicht, da es sehr ähnlich zu gewöhnlichem Fleisch aussieht sowie auch sehr ähnlich schmeckt.

„Ist die Soße vegan?“

Als erstes als Abendessen gab es Ofenkartoffeln mit „Chicken Nuggets“. Allgemein als sehr lecker empfunden, doch was eindeutig fehlte, war die Sauce. Ich mixte mir Hummus mit Wasser zusammen, damit es cremiger wird, doch die Jungs gaben sich damit nicht zufrieden. Schlussendlich nahmen sie die Fertigsaucen, die bei den alternativen Fleischprodukten dabei waren. Ein anderes Mal beim Burger Essen fehlte aber nun wirklich die Sauce. Somit gingen wir zu REWE und wir waren überwältigt von dem Bio- sowie Veggie Angebot. Und doch fanden wir einfach keine vegane Sauce nach etlichen Malen hin und her laufen. Somit fragte ich eine Mitarbeiterin.

Ich war überrascht, denn sie verstand meine Frage anscheinend nicht und antwortet mit „was genau suchen Sie?“. Ich schilderte ihr es noch einmal, aber sie schien überfordert und rief einen Mitarbeiter zur Hilfe, der uns eine vegane Soße zeigte. Wir selbst fanden wenig später noch eine vegane Chili- sowie Süß-Sauer-Soße, was ich mir aber nicht als Burger Sauce vorstellte. Dennoch blieb ich überrascht über die Reaktion der Mitarbeiterin, da ich davon ausging, dass man im Jahr 2021 schon einmal von „vegan“ gehört habe. Ebenfalls überrascht war ich von der geringen Auswahl an Soßen für Veganer:innen in diesem Rewe, denn für nicht-Veganer:innen gab es ein komplettes Regal voller Saucen.

Den Preis, den man zahlen muss

Außerdem suchten wir in diesem Laden veganen Käse, da man diesen weder im Aldi noch Lidl finden konnte. Und wir fanden ihn auch – mit einem stattlichen Preis von um die 3 Euro. Ebenfalls die veganen Joghurts trugen diesen Preis. Wir verließen den Laden mit Soße, Joghurt, Käse und Eiscreme (also kein Stück ein Wocheneinkauf) und bezahlten bereits um die 35 Euro… das ist nicht gerade wenig, das gebe ich selber zu. Obwohl ich selbst viele vegane als auch Bio-Produkte kaufe, kam mir das selbst ungewöhnlich vor, aber man muss auch bedenken, dass wir ein 3-Kopf-Haushalt sind und viel essen, als auch noch viel übrig geblieben ist, als wir am Freitag alle in die Heimat reisten.

Das Ende

Stichwort Freitag – am Freitag war die vegane Woche für meine Mitbewohner bereits vorbei. Einer der beiden wollte am Wochenende einfach nicht den Sonntagsbraten missen, der andere hielt es zwar für möglich, hatte aber schlichtweg keine Lust mehr. Beide freuten sich sehr, dass diese Ernährungs-Einschränkung nun hinter sich lassen können, da sie über die Woche auch vemehrt gesundheitliche Probleme geplagt haben – sie wollen es aber nicht direkt mit Veganismus in Verbindung bringen, jedoch wäre es eine Möglichkeit.  Sie fanden es andererseits aber auch sehr interessant das Experiment ausprobiert zu haben.

Das Fazit meiner Wenigkeit:

Für mich war es ebenfalls sehr interessant! Der Unterschied liegt darin, dass ich mich zukünftig weiter mit einer veganen Ernährung auseinandersetzen möchte. Das bedeutet nicht, dass ich die vegane Woche strikt zu veganen Monaten bzw. einem veganen Lebensstil werden lassen möchte, ich aber auf jeden Fall immer mehr auf tierische Produkte verzichten möchte. Das sind bei mir schlussendlich vor allem Käse und Eier. Mir fiel die Umstellung von vegetarisch auf vegan insgesamt ziemlich leicht, nur muss man sagen, war es nun auch nur eine Woche und diese mit anderen vegan Ernährenden alleine zuhause verbracht – ohne Partys, Essen gehen usw.

Denn weniger leicht war es direkt schon, als ich am Wochenende in die Heimat kam und ein Kuchen auf dem Tisch stand – leider mit Eiern gebacken. Im Crepe-Teig waren ebenfalls Eier und die, wie ich dachte veganen Frikadellen, waren leider nur vegetarisch. Die eigentliche Pizza, die wir bestellen wollten, blieb auch aus, da ich sie mir ohne Käse komisch vorstellte. Die Croissants am Sonntag Morgen waren Buttercroissants und die Laugenecke war eine Butter-Laugenecke. In meinem Lieblingsmüsli war Milch enthalten. Mein Traumdenken von Freitag, dass vegan ja so einfach sei, hat sich schnell in Luft aufgelöst, als ich von all den leckeren nicht-veganen Lebensmitteln umgeben war.

Lass uns in die Zukunft schauen…

Und doch möchte ich in Zukunft mehr auf Veganismus in meinem Alltag achten. Ich werde neue vegane Lebensmittel und Rezepte entdecken, die mir die Umstellung langfristig leichter machen werden. Vielleicht ziehe ich durch mein Studium in eine neue WG und habe Veganer:innen als Mitbewohner:innen, wodurch man einander inspirieren kann. Aber trotzdem weiß ich, dass eine Umstellung Zeit und Energie braucht. Dieses „vegan“ kennt meine Oma nicht und momentan fällt es mir noch schwer auf ihren Kuchen zu verzichten. Aber das ist okay, Ausnahmen sind okay – solange du damit leben kannt. Sei nicht zu streng mit dir selbst.

Und zum Schluss noch ein kleiner Tipp:
Falls du selbst mal dieses „vegan“ ausprobieren magst, gibt es einen coolen Monats-Newsletter, den ich dir empfehlen kann – den von Veganuary. Dieser stellt vegane Rezepte, Informationen über Veganismus und Filme, Videoclips sowie Erklärungen zur aktuellen Tierhaltung bereit.




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