Disclaimer: Dieser Text thematisiert unter anderem Transfeindlichkeit und Hassverbrechen. 

Trans Pride in Berlin

An einem sonnigen Juli-Samstag in Berlin treffen sich eine Gruppe von geschätzt 400 – 500 Menschen am U-Bahnhof Gleisdreieck, um die Existenz von trans Personen zu zelebrieren und gleichzeitig lautstark ihre Rechte einzufordern. Es ist eine bunte Masse – im wahrsten Sinne des Wortes. Personen tragen Regenbogenfarben, schwenken trans Pride Flaggen und sind extravagant geschminkt und gekleidet. Zu Beginn ist die Stimmung heiter, es wird gefeiert und Musik gespielt. Doch als die Demonstration nach eineinhalb Stunden vor dem Viktoriapark zu einem Halt kommt, damit einige Redner:innen sprechen können, wird vielen wieder klar, worum es bei dieser Veranstaltung wirklich geht. Es geht nicht darum zu feiern, sondern zu kämpfen und für die Rechte dieser marginalisierten Gruppe einzustehen.

Obwohl es in diesem Zug aus schillernden Personen vielleicht so scheinen mag, als könnten alle ihre Existenz, Identität und Geschlecht leben und zelebrieren so wie sie sind, wird jetzt schnell wieder klar, dass dies tragischerweise ein Trugschluss ist. Eine Schwarze Trans Frau erzählt der Masse unter Tränen von Gewalt, die ihr nur auf Grund ihrer Existenz als Schwarze Trans Frau widerfahren ist, und von der fehlenden Hilfe und Ignoranz, die ihr auch als sie blutend und hilflos auf den Straßen von Köln umherirrte, begegnete. Sie sagt in ihrer bewegenden Rede:

„We have the right to live and to be. We are humans. We have the right. But the biggest problem is they do not see us as humans.”

Und sie hat Recht. Trans Personen sind eine der marginalisiertesten Gruppen der Welt.  Laut des „Trans Murder Monitoring Project“ sind im Jahr 2019 weltweit 3314 trans und gender-diverse Personen ermordet worden. Dies sind 332 mehr Personen als im Jahr 2018. Obwohl die Aufmerksamkeit auf queere Themen steigt, werden die Morde nicht weniger – ganz im Gegenteil. Diese Fakten und einzelne Erfahrungen, wie die der Sprecherin zeigen also, dass es noch ein langer Weg ist, bis sich trans Personen in der Mitte unserer Gesellschaft sicher und wohlfühlen können. Dieser Kampf für ihre Rechte ist ein Kampf für grundlegende Menschenrechte. Deshalb darf dieser Kampf also auch nicht nur von trans und queeren Personen ausgefochten werden, sondern benötigt die Unterstützung und Mithilfe aller cis Personen. Das Argument der Betroffenheit darf hier nicht zählen. Wie erwähnt, geht es um grundlegende Menschenrechte, wie das Recht auf Leben und Würde. Wenn dies nicht allen Menschen gewährt ist und wir uns nicht täglich dafür einsetzen, dass alle Menschen dieses Recht haben, können wir uns kaum einen demokratischen Staat loben.

Wir brauchen also unbedingt Veranstaltungen wie den Trans Pride, um weiterhin und verstärkt auf diese Ungleichheit und fehlenden Grundrechte von trans und queeren Personen aufmerksam zu machen. Der Trans Pride ist ein Moment, an dem sich die Community gegenseitig empowern und unterstützen kann, an dem gemeinsam geweint, geschrien und gefordert, aber auch gelacht und die Einzigartigkeit zelebriert wird. Es ist ein Ort an dem allen anderen gezeigt werden soll: „Trans is beautiful“ – sodass Personen, die möglicherweise noch mit ihrer eigenen Identität als trans Person kämpfen, aufgefangen werden und ihnen gezeigt wird, dass sie willkommen sind. Außerdem ist es eine Situation, wo die Stimmen von trans Personen die lautesten und Allies zwar willkommen, aber eben nicht der Mittelpunkt sind.

Doch auch hier und innerhalb der Community darf das Konzept der Intersektionalität nicht vernachlässigt werden. Schwarze trans Frauen erfahren eine andere Form von Diskriminierung als weiße trans Männer und dies muss immer berücksichtigt und mitgedacht werden. Deswegen sollten grade BIPOC trans Personen und trans Personen mit Behinderung einen zentralen Platz in dem Protest einnehmen können und von der restlichen Community unterstützt, als auch besonders sichtbar gemacht werden.

Der Trans Pride steht grade mal am Anfang von einem langen Weg, den wir als Gesellschaft gehen müssen, damit wirklich alle trans Personen in Sicherheit und Frieden leben können. Es gehört natürlich mehr dazu, als diese Art der Sichtbarkeit: rechtliche Veränderungen und gesellschaftliches Umdenken. Und bis diese gegeben sind, lasst uns jedes Jahr wieder auf die Straße gehen, um die Existenz von trans, nicht-binären und gender-diversen Personen zu zelebrieren und immer wieder ihre Rechte einzufordern.



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