Von Weihnachten und Chanukka bis zum Fastenbrechen – wir haben uns unter jungen Menschen umgehört, welches in ihrer Religion das wichtigste Fest des Jahres ist.

Das Christentum bestimmt zu großen Teilen die religiösen Feierlichkeiten in Deutschland. Im Dezember kommt man an Weihnachten nicht vorbei: Tannenbäume in den Einkaufszentren, Lebkuchen in der Bäckerei und ein Adventskalender in den meisten Wohnungen. Und auch jetzt hat die Fastenzeit für Christ:innen begonnen, Ostern rückt näher. Allerdings vergessen dabei Viele, dass es selbstverständlich auch noch zahlreiche andere Religionen mit ihren Festtagen und Feiern gibt. Aus diesem Grund findet ihr hier die wichtigsten und bedeutsamsten Feste der Hauptreligionen.

Islam

Die zweitgrößte Religion weltweit nach dem Christentum ist der Islam. Weltweit gibt es 1,8 Milliarden Muslim:innnen, alleine in Deutschland sind es rund 4,5 Millionen. Auch wenn es rein gesetzlich noch keine islamischen Feiertage in Deutschland gibt, so steigt die Relevanz dieser Feste stetig.

Sercan (17 Jahre) feiert am liebsten das Fastenbrechen, auch Zuckerfest genannt. Es findet am Ende des Ramadans, des Fastenmonats, statt. Einmal im Jahr sollen Muslim:innen einen Monat lang fasten. Das heißt, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang darf weder gegessen noch getrunken werden. Wenn die Fastenzeit jedoch endet, wird ein großes Fest gefeiert. Am Morgen, so erzählt Sercan, besucht man die Moschee und betet, danach trifft man sich mit der Familie und feiert. Dabei gibt es vor allem süße Gerichte, beispielsweise die Ashura, ein Nachtisch aus Granatäpfeln.

Sercan mag das Zuckerfest besonders, weil sie so viel Zeit mit der Familie verbringen kann. In der Woche kann es oft vorkommen, dass sie und ihre Familie getrennt essen. Beim Fastenbrechen ist das aber nicht so. An diesem Tag trifft man seine Verwandten und feiert gemeinsam. Allerdings findet es Sercan nicht immer einfach, das Fasten einzuhalten, zum Beispiel in der Woche während der Schule oder beim Sport.

Weihnachten selbst feiern Sercan und ihre Familie nicht. Jedoch backen sie oft zusammen Plätzchen oder besuchen Weihnachtsmärkte.

Judentum

Das bekannteste Fest im Judentum, der mit rund 15 Millionen Gläubigen kleinsten und gleichzeitig ältesten monotheistischen Weltreligion, ist Chanukka. Es findet jedes Jahr acht Tage lang um Weihnachten herum statt. Victoria (20 Jahre) erklärt mir den Hintergrund: An Chanukka soll an die Einweihung des zweiten Tempels in Jerusalem erinnert werden, da der erste von den Griechen zerstört wurde. Im Tempel gab es eine Menora, ein Kerzenhalter mit 7 Kerzen. Dieser sollte niemals erlöschen. Bei der Belagerung blieb jedoch nur ein Krug mit Öl übrig, um die Kerzen anzuzünden. Aus diesem Grund konnte jeden Tag nur eine Kerze angezündet werden. Durch ein Wunder reichte das Öl aber für acht und nicht sieben Tage aus. So konnten die Juden sich und ihren monotheistischen Glauben gegen die Griechen durchsetzen.

Deswegen stellt man an Chanukka eine Chanukkia mit acht oder neun Kerzen auf. Die neunte Kerze dient allein dazu, die anderen anzuzünden. Die Chanukkia wird oft vor Fenstern oder Türen aufgestellt, damit möglichst viele sie sehen können und von dem Wunder in Jerusalem erfahren. Jeden Tag wird bei Sonnenuntergang eine Kerze mehr angezündet, bis nach acht Tagen alle brennen. Dabei wird gebetet und es werden Lieder gesungen. Dazu isst man traditionell in Öl gebackene Speisen, wie zum Beispiel Sufganiyah, ähnlich wie ein Berliner, oder Latkes, wie ein Kartoffelpuffer.

Victoria selber feiert kein Weihnachten, jedoch kennt sie viele andere Jüd:innen, die die christlichen Traditionen übernehmen und beispielsweise einen Tannenbaum kaufen. Das findet sie sehr schade, da so der jüdische Glaube verloren geht.

Hinduismus

Mit fast einer Milliarden Gläubigen ist der Hinduismus die drittgrößte Religion. Anders als beim Islam oder beim Christentum ist der Hinduismus polytheistisch. Seinen Ursprung hat er in Indien.

Aagash (15 Jahre) und seine Familie sind Hindus und ihr wichtigstes Fest ist Thai Pongal. Die Feier, die vier Tage lang geht, findet laut des tamilischen Kalenders Mitte Januar statt und ist der Sonne gewidmet. An diesem Tag wird neue Kleidung angezogen und man zündet Feuerwerksraketen an. Außerdem trifft man sich mit Verwandten und bereitet das typische Gericht Pongal vor, das so ähnlich ist wie Milchreis. Nun wird die Sonne angebetet. Man dankt ihr dafür, dass es Wasser gibt und dass die Pflanzen wachsen können.

Aagash mag an dem Fest besonders das Feuerwerk und seine Familie und Freunde zu treffen. Allerdings muss er an Thai Pongal aufgrund der Vorbereitung früh aufstehen. Weihnachten feiern er und seine Familie nicht. Jedoch dekorieren sie meist ihr zu Hause oder werden von Freunden beschenkt.

Chinesisches und vietnamesisches Neujahrsfest

Es gibt natürlich nicht nur religiöse Feste, sondern auch jahreszeitlich abhängige Feierlichkeiten wie zum Beispiel Silvester. Aber auch solche Feiern sind in jedem Land unterschiedlich.

Die aus Vietnam stammende Thanh-Thao berichtet über das vietnamesische Neujahrfest Tết Nguyên Đán, oder kurz einfach nur Tết. Tết findet meist zwischen Januar und Februar drei Tage lang statt. Man besucht die Pagode, wo oftmals Drachentänze oder Feuerwerke aufgeführt werden. Außerdem gibt es festliches Essen. Das muss zuerst Buddha, Verstorbenen oder Mutter Natur angeboten werden. Dazu zündet man Räucherstäbchen an. Sobald diese nicht mehr glühen, darf dann endlich gegessen werden. Nun wünscht man sich alles Gute zum neuen Jahr.

Das vietnamesische Neujahrfest ist aber nicht das Einzige. Noch bekannter ist das chinesische Neujahrsfest. Das chinesische Neujahrsfest findet an einem Neumondtag zwischen Januar und Februar statt. Es gilt als das bedeutenste chinesische Fest. Der Legende nach kommt jedes Jahr ein menschenfressendes Monster aus dem Meer und will seinen Hunger stillen. Deshalb macht man Lärm und zündet große Feuerwerke an, um die Bestie fortzuscheuchen. Alles wird in den Farben rot und gelb dekoriert. Denn das Monster soll angeblich sensibel auf diese Farben und auf Krach reagieren.

Than-Thao merkt an, dass die Vorbereitungen teilweise bereits zwei Wochen vor Beginn des Festes starten. Das Haus wird geputzt, Essen wird eingekauft, man besorgt neue Kleidung und besucht den Friseur. Am letzten Tag des Jahres schließlich trifft man sich mit der gesamten Familie und isst gemeinsam, meist Fisch und Hühnchen. Um den Küchengott zu ehren, wird ein kleiner Teil des Essens geopfert. Die Kinder erhalten oft Geldgeschenke von ihren Eltern oder Großeltern. Nach 23 Uhr beginnt nun endlich das Feuerwerk und hält meist bis tief in die Nacht. An den restlichen Tagen trifft sich vor allem die Familie. Wenn ein Verwandter gestorben ist, geht man aus Respekt zu einem Friedhof.

Am siebten Tag ist der „Jedermanns Geburtstag“. Dieser spielte in der chinesischen Tradition früher eine größere Rolle, als der individuelle Geburtstag. Am fünfzehnten Tag feiert man das Laternenfest. Kerzen werden außerhalb des Hauses aufgestellt und die Menschen gehen mit Laternen auf die Straße. Damit endet das chinesische Neujahrsfest.




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