Die Dusche ist heiß aufgedreht. Er duscht wie ein Schwein, welches sich im Schlamm suhlt. Reibt sich die Achseln, das Gesicht, das Genital und seinen großen Zeh. Gestern hat er sein Zimmer mit roter Farbe gestrichen. Die rote Farbe ist auf seinen Zeh getropft. Draußen ist es Sommer und er will Flipflops anziehen. Der rote Zeh ist unwaschbar. Alles hat er versucht. Der Zeh ist verästelter als er denkt. Er verzweifelt an allem. An seinem selbst. Jedes Mal, wenn er sich nach unten zu seinem Zeh beugt, sieht er seine ganze Erscheinung. Er würde sich gerne selbst ankotzen, um das alles zu verhüllen. Ist das nun sein roter Zeh, gehört dieser Zeh nun zu ihm. Die Farbe hat ihn gebrandmarkt. Am nächsten Tag geht er zu OBI in der Ostseestraße und baut eine Pyramide aus roten Farbtöpfen. Er thront auf ihnen und springt aus fünf Meter gestapelten roten Farbtöpfen auf den kalten grauen Beton. Anschlag.
Scheiß Welt, gute Welt,
Wir sitzen alle gemeinsam auf der Spitze des Bunkerberges in Prenzlauer Berg als aus dem nichts eine Ausländische Bombe uns alle tötet.
In Afghanistan gähnen sie bei den Nachrichten.
Ich überlebe haarscharf dieses Anschlag.
Die Tagesschau ist jeden Abend ein Anschlag.
Jeder Kirchturm ist in Anschlag.
Die Einen töten von innen, die anderen von außen.
Kinder im Meer zu ertränken macht die Welt lebenswerter,
reiche Bonzen im Helikopter.
Kinder im Supermarkt töten uns.
Eltern geschockt von toten Kind am Strand.
Was tötet uns noch mehr als wir uns selbst,
Ich liebe das Leben
Ich hasse den Moment
Ich liebe das danach
Fegefeuer der kalkulierten Kapitulation.
Aktionen auf Reaktionen
Liberté, Égalité, Fraternité
Das, was dort steht ist,
ist wie Ameisen mit der Lupe auf dem Schulhof quälen
Kein glaube dem Menschen,
kein Glaube der Sichtbarkeit
„Die Hölle, das sind die anderen“
Nie du
Nie ich
Gemeinsam fahren wir mit dem Regionalexpress an die Nordsee. Die Dünnen wehen im blauen Wind des Frühlings. Wir rauchen gemeinsam eine Zigarette am Strand. Stecken sie im Sand aus und rennen auf das Wasser zu. Die erste Berührung, der nackten Beine mit dem Wasser lässt dich wehren. Ich zehre dich hinter mir her. Wir fallen vor Erschöpfung um und du hilfst mir hoch. Wir schwimmen im dunklen Wasser. Danach kochen wir und umarmen uns auf der Couch deiner Familie. Am nächsten Tag fahren wir zurück nach Berlin. Wir sprechen kein Wort miteinander.
LEBEN ERKENNEN
Assimilation in unbekanntem Terrain
Wir laufen gemeinsam durch die Straßen von Berlin. Die Häuserdächer stürzen auf die Straße. Der Himmel ist ein Tarnkappenflugzeug. Die Luft wie flüssiges Gas. Ich weiß nicht, was sie gesehen hat oder überhaupt sieht. Es fühlt sich alles an. Es fühlt sich alles zusammengewürfelt an. Einen Zauberwürfel der unlösbar erscheint. Oder kurz davor ist.
Plötzliches Beet von Narzissen im Wind des Regens.