Kulturabbau in Berlin – ein Interview mit der Deutschen Theater (DT) Jung* Leiterin Maura Meyer
„Ich bin 19 und stehe kurz vorm Burnout!“
ein Satz aus dem Stück „Mein Herz dein Bunker“ am Deutschen Theater, mit dem ich mich am meisten identifizieren konnte, und ich bin mir sicher, dass ich nicht der Einzige bin. Sowohl die heutigen Jugendlichen aus Berlin als auch jene aus den 1990er-Jahren sehnen sich nach derselben Sache: Zugehörigkeit.
Während im Stück die Jugendlichen problemlos ein altes Schlachthaus zu einem hottem Dancefloor machen, ist es in der Gegenwart deutlich schwieriger geworden, noch zugängliche kulturelle Räume für Jugendliche zu finden. Heute werden im Vergleich Aktionen wie „Pudding mit Gabel essen“ organisiert, um Jugendlichen kostengünstige Möglichkeiten zu bieten, sich zu vernetzen.
2025 wurde der Kulturhaushalt in Berlin um rund 130 Millionen Euro gekürzt, was etwa 12–13 Prozent des bisherigen Kulturetats entspricht. Wie sich dies auf die Theaterszene in Berlin und auf junge Künstler:innen auswirkt, erläutert die Leiterin der Abteilung DT Jung* Maura Meyer in einemInterview nach der Vorstellung „Mein Herz dein Bunker“.
Denn auch eines der bedeutsamen Berliner Theater ist von den Kürzungen betroffen. Die Kürzungen äußern sich u.a. in der Nicht-Nach-Besetzung von Stellen, die zum Beispiel durch Renteneintritte von Personen frei geworden sind. Bei einer ohnehin knappen Personaldecke, ein Problem. Aber auch die Anzahl der Premieren und damit das Angebot im Spielplan mussten deutlich reduziert werden. Der kommerzielle Erfolgsdruck steigt so immens an. Das Theater und vor allem ein Theater für junges Publikum, so Meyer, darf aber nicht nur an den dadurch erwirtschafteten Einnahmen beurteilt werden, der kulturelle Auftrag und ein Bildungsauftrag eines Hauses wie dem DT, geht weiter darüber hinaus, was sich mit der Kennziffer Einnahmen allein messen lässt.
Im Deutschen Theater ist im Jahr 2025 zum ersten Mal seit 2009 keine neue Klassenzimmerproduktion zur Premiere gekommen. Das ist insofern problematisch, als dass diese Kürzungen den ohnehin schon strukturell unterfinanzierten Bereich des Kinder- und Jugendsektors treffen und somit doppelt negativ zu Buche schlagen – im Bereich Theater für junges Publikum, aber auch im Bereich Bildung und Kinder- und Jugendarbeit, so Meyer. Kultur, Bildung und Soziales hängen im Bereich Theater für Kinder- und Jugendliche immer ganz eng miteinander zusammen, sagt Meyer.
Auf die Frage, vor welchen kommenden Einschränkungen und Folgen man sich besonders fürchtet, verweist Meyer vor allem auf Projekte für Diversität und Inklusion, die ohne die nötigen Förderungen und Unterstützungen als erstes abgeschafft würden. Die öffentliche Förderung dieser Projekte sind jedoch notwendig, um kulturgebundene Räume für alle offen und inklusive zu gestalten und insbesondere Minderheiten die Chance zu geben, gesehen zu werden.
Für Meyer ist es daher besonders wichtig, derartige Institutionen und Angebote als relevant sichtbar zu machen und sich für sie stark zu machen. Theater solle keine Nische sein und unabhängig vom Elternhaus und der Lebenssituation allen offen stehen. Angesichts der politischen Lage bleiben das Theater und das Ensemble von DT Jung* selbst aktiv. In der Hochspannungsphase der Debatte um den Kulturabbau im Januar hielt das Ensemble von „Mein Herz dein Bunker“ am Ende der Vorstellung ein „Junge Menschen brauchen Theater“– Plakat hoch. Meyer fügt hinzu, dass es zwingend erforderlich ist, genauer hinzuschauen, Kulturabbau, der gleichzeitig ein Bildungsabbau und damit auch ein Demokratieabbau wird, gilt es zu verhindern.
Quellen:
https://www.spiegel.de/kultur/berlin-kulturbranche-protestiert-gegen-kuerzungen-a-dd6fa795-2336-4656-ae8a-29211a95c6e7
https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/aktuelles/pressemitteilungen/2025/pressemitteilung.1597342.php
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