Wer ist die Zukunft? Wer wird in ein paar Jahren Führungspositionen übernehmen? Es sind die, die heute in die Schule gehen. Jugendliche und Heranwachsende, die schon bald die Verantwortung für vieles übernehmen werden. Sie werden mit den Folgen des Klimawandels umgehen müssen – und die Grundlage für ihre Zukunft wird jetzt in den Schulen und Kindergärten gelegt. Wie man es schaffen kann, schon früh nachhaltig zu denken und zu leben, damit beschäftigte sich der Workshop “Wie funktionieren Schule und Klimaschutz zusammen?” am Samstagvormittag.

Unter der Leitung des Bildungswerks für Schülervertretung und Schülerbeteiligung e.V. (SVB) diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Nachhaltigkeit in der Schulbildung. Das SVB beschäftigt sich seit mehr als 10 Jahren mit diesem Thema und bietet an Schulen Seminare, Workshops und Ausbildungen an. So sollen vor allem Schülervertretungen unterstützt und gefördert werden. Durch den Workshop auf der YoucoN führten Ruth Meißner, Erik Thiel und Jessica Ann Lein.

„Jetzt schließt ihr die Augen und stellt euch vor, ihr wärt in eurem Bett…“

Foto: Muriel Thiers
So begann Ruth die Einführung. Mit diesen Assoziationen sollten sich die Teilnehmer eine perfekte, nachhaltige Schule vorstellen. Wie kommt man umweltschonend dorthin? Wie ist sie aufgebaut? Wie läuft der Unterricht ab? Drinnen oder draußen, digitalisiert oder persönlich? Was findet man alles auf dem Schulgelände?

In dieser „Traumreise“ stellte sich jeder seine ganz eigene Schule vor. Einen Ort, an den man auch am nächsten Tag gerne zurückkehren würde – und all das unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit.

Das Ergebnis wurde im Anschluss zeichnerisch festgehalten. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin konnte seine oder ihre persönlichen Ideen und Vorstellungen einbringen. Ein wichtiges Thema: Was sollen die Schüler in einer solchen Schule lernen? Dabei war den Teilnehmenden die Natur besonders wichtig. Sie wollten den Kontakt zur Umwelt wiederherstellen und ein Gefühl für Natürliches zurückgewinnen. So wurde wurde bald klar, dass die perfekte Schule Outdoor-Unterricht braucht. Mit einem Schulgarten, eigenem Anbau von Nahrungsmitteln und in Anlehnung daran auch einer schulinternen Küche, geleitet von einer Koch- oder Hauswirtschafts-AG.

Denn den Teilnehmenden kamen Dinge wie Hauswirtschaft und Handwerksarbeiten in der Schule viel zu kurz. Um das zu ändern, wäre eine Werkstatt oder dergleichen nötig. Dort könnten Schüler im Unterricht Fahrräder reparieren oder Dinge wie Laptops, Lampen, und so weiter. “Lernen fürs Leben” sollte die Devise sein.

Doch was ist für die Jugend noch wichtig? Welcher Grundstein muss gelegt werden, um nachhaltige Bildung zu garantieren? Es sind die Demokratie und das Selbstbestimmungsrecht. Stichworte dazu sind das selbstbestimmte Lernen, Schülerpartizipation, die Schule als Lebensraum. Jeder Schüler ist individuell, deshalb sollte es ihnen weitestgehend freigestellt sein, wann sie was lernen. Das fördert die Eigenverantwortung und das Zeitmanagement. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist das Engagement der Schüler in entscheidenden Gremien. Schülervertretungen gibt es zwar an vielen Schulen, jedoch haben diese nicht überall die gleichen Rechte und Möglichkeiten. Ziel muss es sein, ein Gleichgewicht zwischen den Stimmen der Schüler und den anderen Akteuren in der Schule zu erzeugen.

Doch das alles ist bisher nur eine große Vision. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass man bei den kleinen Dingen anfangen muss.

Aus der gemalten Vorlage einer perfekt nachhaltigen Schule leiteten sie deshalb Projekte ab, die jeder an seiner Schule angehen könnte. Das ging vom Veranstalten einer Projektwoche zum Thema Nachhaltigkeit über die Forderung nach mehr Partizipation bis hin zur Installation von Sitz- und Arbeitsmöglichkeiten in der Natur. Auf Basis dieser Vorschläge wurde dargestellt, wie man ein SMARTes Ziels formuliert. SMART steht dabei für Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch und Terminiert. Das heißt: Vor dem Umsetzen des Projekts muss deutlich werden, was man erreichen will, dass das Ganze auch schaffbar ist, der Zeitrahmen muss festgelegt sein und am Ende soll ein sichtbares Ergebnis dabei rauskommen. Es ging auch um die richtige Vorgehensweise, zum Beispiel bei der Planung einer Projektwoche: Wen muss man ansprechen? Was muss man beachten? Wie geht man am besten vor?

Der Workshop lieferte den Teilnehmenden also nicht nur die Vision und mögliche Ideen für eine nachhaltige Schule der Zukunft, sondern auch gleich eine Anleitung, zumindest einen Teil davon schon umzusetzen.