Weltweite Pandemie, Klimakrise, Bahnstreik – Die letzten Wochen und Monate wurden wir von verschiedenen Herausforderungen begleitet. Gleichzeitig wurden vor allem Jugendliche und junge Erwachsene während der Pandemie vernachlässigt. Umso wichtiger, ihnen wieder eine Stimme zu geben. Genau dies ist einer der Gründe, warum die Zukunftskonferenz youcoN in diesem Jahr wieder und bereits zum fünften Mal stattgefunden hat. Doch wie organisiert man eine Großveranstaltung mit Teilnehmenden aus ganz Deutschland während einer Pandemie? Dies haben wir mit den verantwortlichen Organisatorinnen Dorothea Oelfke und Sophie Hollop besprochen.

Zuletzt fand die youcoN im November 2020 komplett digital statt. Laut den Organisatorinnen war dies eine wertvolle Erfahrung, zeigte aber gleichzeitig, dass es ihnen noch wichtiger sei, nach 1,5 Jahren Pandemie Jugendliche und junge Erwachsene wieder direkt zusammenzubringen, um sich persönlich austauschen zu können. Als die youcoN 2020 endete, hatte die Planung für die youcoN 10 Monate später längst begonnen. „Zu dem Zeitpunkt wussten wir bereits den Termin und den Ort“, so Sophie. Eine solche Großveranstaltung, insbesondere unter solch unsicheren Pandemie-Bedingungen braucht eine langfristige und intensive Planung. Doch nicht von Anfang an war klar, dass die youcoN so präsent stattfinden kann, wie sie es sich erhofften und es schlussendlich war: „Wir waren ständig mit allen Akteuren im Austausch und haben unsere Überlegungen den aktuellen Entwicklungen angepasst.“

Während es dem gesamten youcoN-Team wichtig war, eine Veranstaltung so zu planen, dass sich alle Beteiligten – Teilnehmende, Team und Referierende – wohl und sicher fühlen können, schwebte die Pandemie und die regelmäßig schwankenden politischen Aussagen zu Lockdowns und Inzidenzen ständig wie ein Schatten über der Planung. „Es war aufregend und nervenzerrend“, so Doro. Dennoch stand das Ziel, Jugendlichen wieder eine Plattform zu schaffen, um sich mit den Facetten nachhaltiger Entwicklung in der Bildung auseinanderzusetzen, immer vor Augen. „Aber immer mit der Abwägung, was wir verantworten und bieten können.“

Ein wichtiger Punkt während der youcoN war der verpflichtende Corona-Test für alle Anwesenden am Samstagmorgen. Während die Tests ausgewertet wurden, war das Herzrasen im Organisationsteam groß. Denn ein Faktor der Unsicherheit stand besonders über diesem Programmpunkt. „Mit der Perspektive, dass im Falle eines positiven Tests kein zweiter einer anderen Marke gemacht werden kann, sondern alle sofort abreisen müssen“, sagte uns Doro. Denn nach Landesverordnung ist für diesen Fall einzig und allein ein sofortiger Abbruch der Veranstaltung vorgesehen – ein Horrorszenario für das Thema der Konferenz wie auch alle Beteiligten. Doch so weit kam es glücklicherweise nicht, schließlich waren alle Tests negativ und die Anspannung im Team konnte sich lösen. Doro: „Man muss auch mal Glück haben.“ Oder haben vielleicht einfach alle Maßnahmen des Hygienekonzepts gegriffen?

Denn das Glück war kurz vor Beginn der youcoN nicht auf ihrer Seite, als kurzfristig durch den Streik der Lokführergewerkschaft GDL sämtliche Reisepläne der Teilnehmenden über den Haufen geworfen wurden. Denn der Streikzeitraum kollidierte komplett mit dem Veranstaltungszeitraum der youcoN. Selbst der Notfahrplan der Deutschen Bahn ermöglichte kaum noch Anreisen auf die Insel Rügen. „Ich saß an meinem Schreibtisch und mir kamen die Tränen“, resümierte Doro die Ticker-Nachricht. Sophie war fassungslos. Die Pandemie-Herausforderungen schienen mit viel Planung und Abstimmung gemeistert und „nun geht die Welt unter“. Das Orga-Team erreichte die Streikankündigung der GDL einen Tag bevor sie selbst zur Vorbereitung auf die Insel fahren wollten. Nun hieß es, zum Telefon zu greifen und kurzfristig vieles umzuorganisieren. Lange Nächte standen bevor. Einen der schönsten Lichtblicke erreichte Doro dann, als sie eine Mitfahrzentrale für die Teilnehmenden organisiert hatten und zwei Busse für die Teilnehmenden, die in Hamburg und Berlin mit der Bahn stranden würden, zugesagt hatten: „Da dachte ich nur: ‚Wow, das kann wirklich klappen, dieser verrückte Plan‘.“

Große Freude erlebte Sophie, während sie immer wieder miterlebte, wie sich das Jugendforum youpaN in die Veranstaltung eingebracht hat und sich in der youcoN wiedergefunden hat. Aber auch jede Zusage für Formate, die Band für das Konzert am Freitag oder für einen Film zum Thema Aktivismus waren für sie schöne Momente. Als Frau, die bei der Konferenz die Fäden zusammenzieht und über alles einen Überblick hat, machte es sie aber traurig, dass sie nicht selber bei vielen Punkten dabei sein konnte: „Ich wäre auch gerne bei der Band einfach mal abgedanced.“

Aber warum organisiert man eigentlich eine Konferenz wie die youcoN, die lange und anstrengende Arbeitstage, und streikbedingte auch viele schlaflose Nächte bedeutete? „Weil es riesig Spaß macht zu sehen, wie die Teilnehmenden bei der Band sicher feiern konnten und man das Glück spüren kann. Das gibt einem einfach so viel zurück“, sagte Doro. Man merkt beiden an, dass sie einfach Freude haben und die strahlen sie stark aus. „Dabei laufen wir ja auch nicht immer mit den entspanntesten Gesichtern rum.“

Vermutlich war noch nie eine youcoN so besonders, wie die youcoN 2021. Wie oft organisiert man schließlich Großveranstaltungen während einer Pandemie und hat damit auch Erfolg? Das Ziel, eine schöne und sichere Veranstaltung umzusetzen, haben die Organisatorinnen auf jeden Fall erreicht. Und wir hoffen auf die Fortsetzung, auf die dann sechste youcoN. Vielleicht dann noch sicherer und stabiler und mit viel mehr Menschen, die Lust haben, die Zukunft der Bildung zu gestalten.




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