Berlin-Wahl, Bundestagswahl, Wahl des Bundespräsidenten. Frank-Walter Steinmeier übt sein Amt nun seit fast fünf Jahren in Schloss Bellevue aus. Den Schlüssel für das historische Gebäude hat er gegen Ende seiner ersten Amtsperiode probehalber schon mal abgegeben. Der Bundespräsident und Elke Büdenbender luden 150 Jugendliche ein, auf Schloss Bellevue ihre Projektideen auszuarbeiten und Anliegen vorzutragen.

Blauer Himmel, klare, kalte Luft, die ersten Sonnenstrahlen lassen die weißen Mauern von Schloss Bellevue an diesem Berliner Herbstmorgen hell aufleuchten. Eine Gruppe Jugendlicher sammelt sich im Ehrenhof vor dem Amtssitz des Bundespräsidenten. „Wie kommt man da jetzt einfach so rein?“, spricht ein interessierter Tourist einen der Veranstaltungsleiter an. „Corona-Schnelltest, bei mir den QR-Code abholen, Sicherheitskontrolle – Sie sind doch angemeldet, oder?“, erwidert der junge Mann und fügt hinzu: „Wir sind vom Takeover Bellevue, das ist eine geschlossene Veranstaltung.“

Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender haben an diesem 6. Und 7. Oktober 150 Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren in das Schloss Bellevue eingeladen, um von ihnen Vorstellungen, Ideen und Wünsche der jungen Generation an die Zukunft zu erfahren. Der Tourist zieht weiter, die rund 150 Jugendlichen treten gerade durch die offenen Flügeltüren in die Eingangshalle.

Die Standarte

Am Rande des Tiergartens erstreckt sich Schloss Bellevue vom Spreeufer bis zur Siegessäule. Von der Dreiflügelanlage eingerahmt wird der Ehrenhof, hier fahren die Staatsgäste des Bundespräsidenten vor. Hoch oben über den mächtigen Eingangstoren sind drei Statuen zu erahnen, die rechte Figur trägt einen Fahnenmast. Ist der Bundespräsident im Berliner Stadtgebiet, weht dort die Standarte in Wind. Heute, am 6. Oktober, ist sie jedoch nicht zu sehen. Frank-Walter Steinmeier sei gerade in Kiew, erklärt eine Beamtin des Bundespräsidialamtes. Durch den mächtigen Haupteingang gelangt man in den Corps de Logis, den Wohntrakt. Der Blick aus den deckenhohen Fenstern auf den Hinterhof hält, was der Name des Schlosses verspricht: die Aussicht auf die gepflegten Parkanlagen ist tatsächlich wunderschön. Hohe Bäume, englischer Rasen, ein großer Teich – aus dem Rahmen fallen hier vier große Zelte und drei Foodtrucks, die die Anlage während des Takeovers schmücken.

Veranstaltungszelte im Schlosspark

1795 von Prinz August Ferdinand von Preußen als Sommerresidenz erbaut, erfüllte Schloss Bellevue schon viele Funktionen, bevor es 1994 zum ersten Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten wurde – und heute zum Veranstaltungsgelände für den Takeover Bellevue 2021. Es war das erste Museum für zeitgenössische Kunst in Preußen, später diente der Obersten Heeresleitung als Besprechungsort im ersten Weltkrieg. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Gebäude als Gästehaus und zu Propagandazwecken genutzt. Im zweiten Weltkrieg stark beschädigt, baute die Bundesregierung Schloss Bellevue bis 1959 vollständig wieder auf. So erkläre sich auch, dass es sich bei der Inneneinrichtung – Möbeln, Gemälden, Vasen – hauptsächlich um Leihgaben handele, fügt die Gruppenführerin, die die Jugendlichen durch die Räume des Schlosses geleitet hinzu. 1957 wird das Schloss Bellevue nach der Villa Hammerschmidt in Bonn zum zweiten Amtssitz des Bundespräsidenten. Mit dem Umzug des Bundestags nach Berlin nach der Wiedervereinigung verlegt Richard von Weizsäcker 1994 den auch den ersten Amtssitz des deutschen Staatsoberhaupts in die Hauptstadt des vereinten Deutschlands. 2017 bezog Frank-Walter Steinmeier als zwölfter Bundespräsident Schloss Bellevue.

Schlüsselübergabe

Morgen, am 7. Oktober, übergeben der amtierende Bundespräsident und Elke Büdenbender den Jugendlichen symbolisch den Schlüssel für das historische Schloss und geben ihnen damit eine Bühne für ihre Anliegen, Ideen und Wünsche für die Zukunft.




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