Was Klimawende angeht, ist Deutschland Vorbild, doch plötzlich ist Krieg in Europa und Rückschritte verdrängen Fortschritte. Meine Meinung, als 17-jähriger Schüler, der den Klimawandel für keine Verschwörung hält.

Über ein halbes Jahr ist es her, dass Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine gestartet hat. Der Fluss an Informationen war von Anfang an immens. Jeder russische Jet wurde gefilmt und Mythen, wie der „Geist von Kiew“, der russischen Jets abschießt, oder Farmer die Panzer abschleppen, füllten das Internet. Die unabhängig bestätigten Informationen von Journalisten*innen wurden dabei verdrängt. Teilweise oder immer noch ist es nicht klar, wer welche Rakete abschießt und den Krieg somit befeuert. Dennoch gibt es von Anfang an eine riesige Solidarität mit der Ukraine, wo vor allem die Bevölkerung unter dem Krieg leidet und fliehen muss. Deutschland empfängt diese mit offenen Armen und gibt eine zeitliche Aufenthaltserlaubnis aus. Dass aber immer noch Menschen ertrinken, die von außerhalb Europas kommen, weil die EU im Mittelmeer gegen sie vorgeht und dabei Menschenrechte bricht, gleicht einer Parallelwelt. Dabei ist der Grund der Flucht oft der gleiche: Krieg im Heimatsland.

Back to the Future: Klimawandel ist ein immer mehr spürbares Problem. Überschwemmungen, wie gerade in Pakistan, oder Dürre, wie hier in Deutschland, lässt Klimaskeptiker nach und nach verstummen. Die Einhaltung von Klimazielen, fällt immer weiter zurück und eine Rettung des blauen Planten rückt in weite Ferne. Letztes Jahr wurden die Grünen, zusammen mit der SPD und der FDP, zur Regierungspartei gewählt. Wenn man sich nun knapp ein Jahr später die Schlagzeilen anschaut: 100 Mrd. für Rüstung, geplante Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken und nicht bürgergerechte Politik, denkt man kaum an einen Regierungswechsel.
Im Sinne des Klimawandels wurde zunächst gehandelt: Das 9-Euro-Ticket war ein kolossaler Erfolg der Regierung, jenes ist nun ausgelaufen. Zwar wird es ein Nachfolgeticket geben, welches aber deutlich teurer und so für sozial Schwächere kaum erschwinglich sein wird.

Ob eine auf Papier eher linksgerichtete Regierung ohne den Angriffskrieg Russlands 100 Mrd in die Bundeswehr investiert hätte, ist fragwürdig. Laut Lindner soll Deutschland „eine der schlagkräftigsten Armeen Europas bekommen“, was nicht mal ein Jahrhundert nach dem 2.Weltkreig absurd klingt. Als würde man Aufrüstung jetzt normalisieren, als wäre nichts gewesen. Darüber hinaus gehören Krieg, Militär und Rüstungsindustrie zu den Hauptverursachern von Treibhausgasemissionen, Feinstaubbelastungen und Umweltkatastrophen weltweit.
Die Bundesregierung wirft mit Spritvergünstigungen Steuermilliarden aus dem Fenster, was man für die Verlängerung des klimagerechten 9-Euro-Ticket hätte investieren können. Dazu werden LNG-Importe aus Ländern wie Katar initiiert, womit der Klimawandel weiter angeheizt wird und die Preise für fossile Energie am Weltmarkt oben bleiben, was dafür sorgt, dass Putins Russland weiterhin Geld verdient. Darüber hinaus werden fossile Brennstoffe für innerdeutsche Flüge verbraucht, die man für die Industrieproduktion im Land nutzen könnte, um dieses am laufen zu halten. Würde man kaum mehr Autofahren, könnte man das ersparte Öl für Wärme -und Stromerzeugung nutzen, was man mit der Zeit dann durch erneuerbare Energien ersetzten könnte. Dagegen wird weiterhin Öl aus dem Ausland eingekauft. Jetzt ist die Chance den perfekten Wendepunkt in der Klimapolitik auszunutzen und radikal auf erneuerbaren Energien umzustellen.
Wirtschaftsminister Habeck möchte zwei der drei aktiven Atomkraftwerke als Notreserve am Netz lassen. Die beiden Atomkraftwerke seien Absicherungen gegen Engpässe. FDP-Fraktionschef Christian Dürr sagte im Morgenmagazin von ARD und ZDF „Diese hohen Strompreise kann kein Unternehmen in Deutschland zahlen und auch kein privater Haushalt. Deswegen wäre die Empfehlung, die Laufzeiten jetzt zu verlängern“. Wirtschaftswissenschaftlerin Veronika Gimm argumentiert ähnlich: „Anlässlich der Preisentwicklung am Strommarkt muss alles darangesetzt werden, Erzeugungskapazitäten zu mobilisieren, die kurzfristig verfügbar gemacht werden können“. Die drei Meiler sollen laufen und nicht als Reserve dienen. Darüber hinaus soll man über eine Laufzeitverlängerung von 5 Jahren und das Reaktiveren stillgelegter Atomkraftwerke nachdenken, so Grimm. Allein das diese Krise Grünen-Politikern*innen dazu gebracht hat, über Laufzeitverlängerung von AKW nachzudenken, ist absurd und zeigt, wie schwer sie uns trifft. An der Sinnhaftigkeit der Atomkraftwerke hat sich in der Krise nichts geändert. Es ist und bleibt eine „teure, risikobehaftete und konfliktträchtige Technologie, die nicht zu einem auf erneuerbare Energien basierenden Stromsystem passt“, wie Umweltökonomin Sonja Peterson in der Tageschau sagt.
„ATOMKRAFT? NEIN DANKE“. Dieser Slogan plus die lachende Sonne als Logo der Anti-Atomkraft-Bewegung klebte, als ich klein war als Sticker auf unserer Haustür. Erfolgreich haben Hunderttausende über Jahrzehnte gegen Atomkraft bzw. für den Atomausstieg demonstriert. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima im Frühjahr 2011, beschloss der Bundestag im selben Sommer den lang ersehnten Atomausstieg. Es wurde protestiert, blockiert, geopfert, diskutiert, gefordert, kritisiert, geweint wie gelacht. Die Anti-Atomkraft-Bewegung sieht der deutsche Historiker Joachim Radkau, aufgrund ihrer Beharrlichkeit als den „größten und gedankenreichsten öffentlichen Diskurs der Bundesrepublik“. Ob ich den Sticker je wieder in meinen Händen sehen werde, hängt von den Entscheidungen unserer jetzigen Bundesregierung ab.

Durch die jetzige Krise werden Entscheidungen getroffen, die Putins Russland, aber auch deutsche Bürger, schwächen. Die Energiepreisexplosion ruiniert den starken Mittelstand, treibt Familien in die Armut und zerstört die deutsche Wirtschaft. Menschen fürchten vor Arbeitsplatzverlust und hohen Lebenshaltungskosten. Die unsoziale Gasumlage lässt zu, dass sich Mineralölkonzerne und Energieerzeuger auf dem Rücken der Bürger dumm und dämlich verdienen. Der Klimawandel wird zwischen den ganzen Konflikten komplett vergessen. Ein geschicktes Ende der Sanktionspolitik und die Öffnung von Nordstream-2 wäre klimagerechter, als z.B. teures und klimaschädliches LNG-Gas aus den USA zu importieren.

Putins Angriffskrieg verursacht Tod, Leid und Zerstörung. Der Klimawandel nimmt aber keine Pause und wird durch die Sanktionen gegen Russland nur verschärft. Wie sehr man politisch Druck auf Russland ausüben möchte und sich gegenseitig Sanktionen verhängt, sollte nicht als Grund dienen, die Welt zweizuteilen, wo Menschen gegeneinander arbeiten. Mensch ist Mensch und es muss zusammengearbeitet werden, um den blauen Planeten zu retten. Weiterhin wird dem globalen Süden sein Vorkommen beraubt. Wenn Menschen dann aber wegen Krieg, Klima oder Wirtschaft fliehen müssen, werden nur die Reichen und Schönen nach Europa gelassen. Wir sollten nicht davon ausgehen: „Oh ja egal, in hundert Jahren leben wir wegen Elon Musk eh auf dem Mars! Was kümmert uns das Klima“. Mit diesen Ideen wird vor allem eines getan: Profit aus der Krise geschlagen und Industrien beschützt, die den Klimawandel anheizen. Nur vereint kann man den Klimawandel stoppen, und eine gerechte und lebensfrohe Erde formen.

Bildrechte: © dpa / Patrick Pleul




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