Auch an den Hochschulen wird fleißig mitgemischt, um die Welt der nachhaltigen Entwicklung mit den eigenen Gedanken und Tagen zu gestalten. Anastasia und Jannik leiten gemeinsam den Workshop zum Thema “BNE an Hochschulen”, um am Besuchertag klare Forderungen an die Hochschulpolitik zu äußern. Rund zwanzig engagierte Teilnehmer entwickeln gemeinsame Ideen für die nachhaltige Hochschulbildung von morgen.

Die Universitäten selbst waren nicht untätig bisher. In vielen Curricula wurden die drei Säulen der Nachhaltigkeit bereits übernommen und fest eingebunden: In so genannten “Commitments” –  Strategien – haben sich die Hochschulen bereits zu Nachhaltigkeitszielen und deren Umsetzung verpflichtet. So existieren an Unis bereits Preisausschreibungen, die nachhaltige Projekte von Studierenden fördern, ein “nachhaltiger Monat” pro Jahr mit wöchentlichen Themenschwerpunkten oder ein “Klimateller” in der Mensa, der regionale Produkte auftischt. Ein gemeinsames nationales Konzept fehlt hingegen. Ebenso wie ein klares Bekenntnis der Hochschulen, wie sie Nachhaltigkeit definieren.

Nachhaltigkeit gehört dazu

Aus Sicht der Teilnehmenden spricht nichts gegen die individuelle Ausarbeitung von Strategien zur Umsetzung der Sustainable Development Goals. Auffällig ist, dass die Erfahrungswelten sich von den verschiedenen Universitäten und Studiengängen der Teilnehmer stark unterscheiden. Die Dringlichkeit der Umsetzung wurde offenbar noch nicht in jedem Fachbereich und jeder Uni erkannt. Was fehlt ist der feste Wille, die BNE integral in jeden Studiengang einzubinden. So lautet die Forderung der Arbeitsgruppe, dass Nachhaltigkeit in jedes Studienfach integral eingebunden sein muss.

“Nachhaltigkeit muss verpflichtender integraler Bestandteil in jedem Studienfach werden – macht Nachhaltigkeit unausweichlich!”

Für die Umsetzung dieser Forderungen wurden Bereiche und konkrete Themen erarbeitet. Bei guter Musik und konstruktiven Diskussionen wurden Handlungsvorschläge in vier Themengebieten ausgearbeitet: Lehrpläne beziehungsweise Module innerhalb der Studiengänge, Organisationsstrukturen an den Hochschulen, Kooperationen der Universitäten mit der Außenwelt und die Umsetzung konkreter Projektideen. Der Wunsch der Teilnehmer ist klar: Nachhaltigkeit ist zu fundamental, als dass es aus den Vorlesungen herausgehalten werden kann. Es gehört in die Mitte des universitären Alltags, unter anderem als Pflichtmodul mit Creditpoints und auf die Mensateller. Egal ob angehender Ingenieur, Betriebswirt oder Pädagoge – Nachhaltigkeit geht alle an.

Green Offices, studentische Nachhaltigkeitsgremien, Ringvorlesungen

Die Liste konkreter Ideen der Teilnehmenden ist lang. Klar ist: Je mehr sich organisch aus dem Uni-Standort heraus eigenständig entwickelt, desto individueller ist das Angebot auf die örtliche Nachfrage angepasst. Die Erfolgschancen für das Projekt steigen, gemeinsame Leitlinien können dabei helfen. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Kommunikation. Erst wenn eine Begründung hinter einer umweltfreundlichen Maßnahme erklärt wird, kann das Verständnis bei den Betroffenen dafür enstehen. Und sei es die verdünnte Seife auf den Uni-Toiletten, die nun schaumig aus dem Spender kommt. Sie ist CO2-neutraler und effizienter und so ein Beitrag zu einem lebenswerteren Morgen. Darüber hinaus wird die Verantwortung der Studierenden selbst nicht aus den Augen verloren, denn Skripte gehören nicht zwangsläufig ausgedruckt auf den Tisch.

Alle müssen anpacken

Unverzichtbar zur Nachhaltigkeit gehört auch der Bereich der Ökonomie. Universitäten arbeiten in vielen Bereichen mit Drittmitteln. Für Kooperationen der Unis mit Unternehmen schlagen die Teilnehmenden vor, dass es es einen Fokus auf die lokale Einbindung des nachhaltigen Potenzial der Studierenden geben soll. Ambitionierte Firmen, die Nachhaltigkeit in ihre Beschaffung oder ähnliches einbinden, könnten für Kooperationen bevorzugt und gefördert werden. Auch für die Studierenden selbst können sich daraus Vorteile für die spätere Jobsuche ergeben: Weg von dem Zwang, ein Auslandssemester zu absolvieren, muss die lokale Zusammenarbeit gestärkt werden. Durch die Vermittlung von Praktika oder Nebenjobs in nachhaltigen Firmenbereichen können beide Seiten profitieren.

Innovative Ideen und Vorschläge sind da, jetzt geht es an die Umsetzung. Mit dem gemeinsamen Wunsch, Nachhaltigkeit unausweichlich in die Bildung zu integrieren, geht der Workshop heute in den Besuchertag. Denn eine lebenswerte Zukunft beginnt in unserem Alltag – auch an den Hochschulen.